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Geschlechtsspezifische Sozialisation – sind deshalb weniger Frauen in Führungspositionen?

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Im Jahr 2021 sind Frauen in Deutschland nach wie vor unterrepräsentiert in den Führungsetagen von Unternehmen. Warum ist das immer noch der Fall in einem Land, das sich sonst als so fortschrittlich lobt? Sollten Unternehmen künftig mehr darauf achten, Frauen als Führungskräfte einzustellen?

Prof. Dr. Marion Schick, die Arbeitsdirektorin und im Personalvorstand Sitzende von Telekom, weiß: “[…] Unternehmen schaden sich selbst (, wenn kaum Frauen in Führungspositionen zu finden sind). Sie berauben sich der Fähigkeiten und Talente, über die Hunderttausende bestens ausgebildeter Frauen verfügen. Aus meiner Sicht ist das zwar auch eine moralische Frage, aber vor allem eine betriebswirtschaftliche.” 

In diesem Artikel zeigen wir einen Grund auf, aus welchem es auch heute noch weniger Frauen als Männer in die Führungspositionen von Unternehmen schaffen. Auch erklären wir, weshalb Unternehmen erheblich davon profitieren würden, wenn sie zukünftig mehr Frauen als Führungskräfte einstellen. Zum Schluss geben wir praktische Tipps, um das Problem aktiv anzugehen.

Weshalb es weniger Frauen in Führungspositionen gibt

Dass es weniger Chefinnen in unserer heutigen Arbeitswelt gibt, kann nicht darauf zurückgeführt werden, dass Frauen schlechter qualifiziert sind als Männer. Heute liegt der Anteil an Frauen, die das Abitur und einen Hochschulabschluss absolvieren, sogar leicht über dem der Männer

Woran liegt es aber dann, wenn nicht an den Qualifikationsunterschieden, dass es deutlich mehr Männer als Frauen in die Chefetagen schaffen? Die geschlechtsspezifische Sozialisierung spielt eine nicht unbedeutende Rolle bei der Beantwortung dieser Frage. Was damit konkret gemeint wird, erklären wir hier:

Sozialisierung allgemein meint den Prozess, in welchem wir Menschen uns aneignen, so zu denken, zu fühlen, zu glauben, zu wollen und zu reagieren wie es in unserer Gesellschaft üblich ist und gebilligt wird. Dieser Prozess beginnt mit der Geburt und setzt sich das gesamte Leben lang fort. Personen, die uns in diesem Prozess besonders prägen, sind unsere Eltern, aber auch Freunde, Lehrer und andere wichtige, uns nahestehenden Menschen. Auch das, was wir heute durch Medien wie Fernsehen oder Social Media Plattformen (z.B. Facebook, Instagram) konsumieren, nimmt Einfluss auf unser Denken, Fühlen, Glauben und Wollen.

Was nun die geschlechtsspezifische Sozialisation meint, ist folgendes: Wissenschaftler:innen wissen heute, dass nur ein kleiner Teil der Unterschiede zwischen Männern und Frauen durch die Biologie bzw. Genetik erklärt werden kann. Der Großteil der Unterschiede wird „anerzogen“, sozial entwickelt, ergo sozialisiert. Konkret heißt das, dass Mädchen und Jungen schon von früh an verschiedene Geschlechterrollen vorgelebt werden, dass unterschiedliche Erwartungen an sie gestellt und ihnen verschiedenartige Möglichkeiten aufgezeigt werden und sie sich daher entsprechend unterschiedlich entwickeln.

Um nun konkret auf das Thema, „Warum es weniger Frauen in Führungspositionen gibt“, einzugehen: Nach einem Bericht der National Coalition of Girls Schools zufolge, werden junge Männer heute immer noch dazu erzogen, selbstbewusst, durchsetzungsfähig und selbstdarstellerisch zu sein. Immer noch kursiert die Annahme in unserer Gesellschaft, dass das „typisch männliche“ Eigenschaften seien, sowie dass naturwissenschaftliche Fächer wie Ingenieurwesen und Mathematik „männliche“ Fachrichtungen sind und Rollen der Macht und Führung eher für sie bestimmt sind als für Frauen.

Jungen Frauen wird auf der anderen Seite durch die in unserer Kultur nach wie vor bestehende, meist skeptische bis negative Einstellung gegenüber weiblichen Führungskräften suggeriert, dass es unangemessen und unerwünscht ist, die „typisch männlichen“ Eigenschaften, die mit einer Führungsrolle assoziiert werden, zu besitzen. Von ihnen werden eher Eigenschaften wie Empathie, Freundlichkeit, Fürsorglichkeit, Rücksichtnahme etc. erwartet, die im Widerspruch zu stehen scheinen mit den „typisch männlichen“ Führungseigenschaften.

Das Resultat: Frauen denken auch heute noch von sich, dass sie für Führungsrollen sowie für andere Rollen der Macht eher ungeeignet sind. Männer dagegen haben weniger Zweifel in Bezug auf ihre Eignung für Führungsposten. Entsprechend streben weniger Frauen als Männer eine  Position in der Führungsetage an; sie sind entsprechend unterrepräsentiert.

Hier ist anzumerken, dass es sicherlich Ausnahmen gibt. Auch verschwinden die Rollenbilder von Mann und Frau allmählich aus dem Geist der Gesellschaft. Dennoch ist heute nach wie vor ein klarer Trend erkennbar.

Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Faktoren, die dazu beitragen, dass es weniger Frauen in Führungspositionen gibt. Der der geschlechtsspezifischen Sozialisation soll in diesem Artikel jedoch besondere Aufmerksamkeit finden.

Weshalb Unternehmen davon profitieren, mehr Frauen in Führungspositionen einzustellen

Ob mehr Frauen in die Führungspositionen von Unternehmen eingestellt werden sollten, ist nicht nur eine moralische, sondern auch eine betriebswirtschaftliche Frage, um noch einmal auf das den Artikel einleitende Zitat von Prof. Dr. Marion Schick zurück zu kommen. Damit ist gemeint, dass eine ausgewogene Besetzung der Führungsposten durch Männer und Frauen viele Vorteile für Unternehmen mit sich bringen würde. Dies belegen sogar Untersuchungen. Einige dieser Vorteile zeigen wir Ihnen an dieser Stelle:

  • Frauen stellen heute über 50% der Hochschulabsolvierenden dar und somit die Mehrheit des potenziellen Fachkräfte- sowie Führungskräftenachwuchses. Nicht nur würden sie mit ihren Qualifikationen Unternehmen bereichern, auch könnten sie Personalengpässe im Fach- und Führungsbereich schließen.
  • Unternehmen, die Männer und Frauen in einem ausgewogenen Verhältnis in Führungsgremien einstellen, gelten als fortschrittlich. Sie haben grundsätzlich ein besseres Unternehmensimage und somit einen Vorteil bei der Rekrutierung von kompetenten und hoch qualifizierten Frauen (sowie Männern).
  • In einem Unternehmen mit ausgewogenem Frauenanteil sind die Mitarbeitenden, vor allem die weiblichen, motivierter. Sie fühlen sich repräsentativ vertreten, was sich auf ihre Leistung sowie auf das gesamte Arbeitsklima im Unternehmen positiv auswirkt.
  • Studien zeigen, dass Kundinnen zufriedenerer mit dem Produkt oder der Dienstleistung eines Unternehmens sind, wenn sie sehen, dass Frauen in der Führungsetage des Unternehmens repräsentativ vertreten werden.

Wie ein Führungskräfte Coaching helfen kann

Die Art und Weise wie Menschen denken, prägt ihr Handeln deutlich mehr, als ihre Gene, ihre Biologie. Wenn es das Ziel sein soll, zukünftig mehr Frauen in die Führungsetagen einzustellen, dann muss sich entsprechend die Art und Weise ändern, wie Frauen von sich selbst denken sowie wie von Frauen gedacht wird. Ein Business Coaching kann dabei eine immense Hilfestellung leisten, um Denkweisen, die einem nicht bewusst sind, aufzudecken und zu ändern. Einige Tipps zeigen wir Ihnen schon hier:

  • Reflektieren Sie: Als erster Schritt ist es hilfreich, zu reflektieren, inwiefern Mädchen und Jungen heute tatsächlich unterschiedlich sozialisiert werden. Vielleicht fallen Ihnen Beispiele für Unterschiede aus Ihrer Kindheit ein.
  • Schärfen Sie Ihr Bewusstsein für Vorurteile: Überzeugungen, die wir über „typisch weibliche“ und „typisch männliche“ Eigenschaften besitzen, mögen sich instinktiv und natürlich anfühlen. Machen Sie sich jedoch bewusst, dass Stereotypen erlernt und anerzogen wurden.
  • Wählen Sie ihre Überzeugungen: Gänzlich vorurteilsfrei ist niemand. Dennoch haben wir die Chance, an unseren Überzeugungen zu arbeiten und sie neu zu definieren. Fragen Sie sich: Ist diese Überzeugung nützlich? Hält Sie mich oder andere auf?
  • Konzentrieren Sie sich auf Leistungen: Aufgabe einer Führungskraft ist es, Mitarbeitende so anzuleiten, dass Unternehmensziele erreicht und Projekte realisiert werden. Ob das gut gelingt, ist keine Frage des Geschlechts. Fokussieren Sie sich auf die Leistungen einer Person und entscheiden Sie anhand dieser, ob sie sich als Chef:in eignet oder nicht.
  • Nutzen Sie Ihre Reichweite: Machen Sie bewusst auf Frauen in Führungspositionen aufmerksam. Nutzen Sie Ihre Reichweite im Unternehmen, auf Social Media etc., um ihnen Anerkennung und Wertschätzung zu zollen, aber auch, um jungen Frauen ein Vorbild aufzuzeigen.

In unserer Business Coachings bei Sparrks werden Ihnen noch viele weitere Coaching Tools in Hinblick auf richtige Führung an die Hand gegeben. Wenn Sie sich verstärkt mit dem Thema „Frauen in Führung“ oder auch „Vorurteilen gegenüber Männern und Frauen“ auseinandersetzen möchte, sind Sie bei uns genau richtig. Denn wir haben spezifische Coaching Angebote, die sich explizit mit diesen Themen auseinandersetzen. Buchen Sie einen Demo Call und besuchen Sie unsere Website, um mehr zu erfahren!